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Eine Hommage an den Whisky

1. Eschdler MALT im WAL(D)T

Wir, die EMD (EMD = Eschdler Malt Drinker) sind ein locker zusammengewürfelter Haufen von gleichgesinnten Feingeistern des guten Geschmacks. Wir lieben den Single Malt Whisky.

Von Zeit zu Zeit veranstalten oder besuchen wir private Whiskytastings oder wir treffen uns, um in geselliger Runde ein oder mehrere Gläschen des hochprozentigen „Wasser des Lebens“, wie man Whisky nennt, zu verkosten.

Der Single Malt ist eine besondere Form von Whisky und wird aus dem mehrfachen Destillieren von gemälzter Gerste gewonnen. Der Brand wird danach in unterschiedlichen Fassarten viele Jahre gelagert, bis er abgefüllt wird. Der Single Malt wird in einer einzigen Destillerie hergestellt und ist sozusagen die Premiumabfüllung des Whiskys, vergleichbar mit der Auslese beim Wein. Das Roh-Destillat (New Make) wird meist in amerikanischen Ex-Bourbon-Fässern unterschiedlicher Größe über viele Jahre gelagert. Dort entwickelt der Whisky seinen feinen Geschmack. Grundsätzlich gilt, je länger der Whisky mit dem Fassholz „Verbindungen“ eingehen kann, desto komplexer wird letztendlich das fertige Produkt. Leider aber auch umso teurer. Whiskylagerungen in spanischen Sherryfässern ergeben einen süßen Grundton. Eine besondere Fassart sind die getoasteten Fässer. Diese Fässer werden durch Feuer ausgebrannt und übertragen dadurch ein rauchiges Aroma an die in ihnen lagernden Whiskies.

In der heutigen Zeit ist ein regelrechter Whisky-Hype entstanden. Die Hersteller lassen immer neuere Whisky-Varianten aus teilweise exotischen Fasstypen abfüllen, um der großen weltweiten Nachfrage der Konsumenten gerecht zu werden.

Am Samstag, den 27. Mai veranstalteten wir den ersten Eschdler Whisky Trail. Gemäß dem Motto MALT im WAL(D)T wanderten wir in den „Eschdler Highlands“, um gemeinsam das Wasser des Lebens zu verkosten. Wir stellten uns im Vorfeld des Events die Frage, ob die natürliche Atmosphäre des Waldes das Geschmackserlebnis beim Verkosten von guten Single Malt Whiskies positiv beeinflussen wird? Natürlich war aber auch jede Menge Spaß angesagt. Geplant waren maximal 8 Stationen entlang einer bekannten Eschdler Wanderroute. An jeder Station wurde ein Malt in der Menge von ca. 2 cl aus speziellen Nosing-Gläsern „blind“ verkostet. Das bedeutet, dass man nicht wusste, um welchen Whisky es sich handelt. Der Vorteil lag darin, dass man sich nicht von bekannten Markennamen bzw. Whiskysorten im Vorfeld geschmacklich beeinflussen ließ. Die Auflösung kam dann später, meist unter einem erstaunten „Aha“.

Wir trafen uns um 10:00 Uhr bei einem „Opener“ in der Michelsbergstraße. Ein „Opener“ soll die Geschmackszellen im Mund an das bevorstehende hochprozentige Verkosten heranführen. Die an diesem Tag zu probierenden Single Malts sollten alle aus den schottischen Highlands stammen. Schottland ist das führende Land im Herstellen von Whiskies. Highland Malts bieten eine große Vielfalt an unterschiedlichen Geschmacksaromen und Gerüchen. Beim Tasten eines Single Malt führt man zuerst den Whisky an die empfindliche Nase. Der erste Eindruck durch das Riechen (Nosing) und Anschauen (Farbgebung) des Destillats ist sehr interessant und wichtig. Danach wird ein Schluck langsam im Mund um die Zunge gespült. Dieses Organ hat unterschiedliche Geschmackszonen, welche die verschiedenen Whiskyaromen identifizieren können. Nach dem Herunterschlucken erhält man dann den sogenannten Nachgang oder Abgang des Malts, der bei fassstarken oder rauchig, torfigen Whiskies mitunter sehr stark sein kann. Simon Krauss bot uns zum Start einen Glen Turner Heritage Double Wood an. Dieser Blended Whisky besteht zu Teilen aus Single Malt und Grain Whisky (ungemälztes Getreide) und ist dadurch geschmacklich einfacher und leichter zu verstehen. Ein Blended Whisky eignet sich sehr gut als Opener für ein Tasting.

Die „beschwerliche“ Tour begann. Der Wettergott war uns an diesem Tag sehr wohlgesonnen. Nach einem langen Anstieg wurde der erste Single Malt am Römerbrunnen gereicht. Markus Bröhl hatte einen 9 Jahre alten Tomatin Caribbean Rum Cask 46% dabei. Diese limitierte Abfüllung wurde in der bekannten Tomatin Brennerei destilliert und schmeckte unter anderem nach cremiger Vanille mit tropischen Früchten. Tomatin ist eine große und bedeutende Whiskybrennerei und liegt in der Nähe von Inverness, in den schottischen Highlands.

Ein Clynelish 1997, 46% von dem unabhängigen Abfüller Signatory Vintage hatte ich für die dritte Station (Eschdler Bänke) mitgebracht. Die Destillerie liegt an der Nord-Ost-Küste Schottlands. Dieser Single Malt ist nicht gefärbt (Natural Color) und nicht kühlgefiltert. Der Whisky wurde also nicht mechanisch gefiltert und kann dadurch evtl. ein wenig trüb sein. Vanillie, Zitrus und maritime Noten konnte man in Mund und Nase herausdeuten. Ein schöner, angenehmer Whisky.

Das Mittagsessen fand im Schwarzohl statt. Bei Bier und Pfälzer Hausmannskost wurde Energie für die weiteren Whiskystationen getankt. Nach dem Abstieg erreichten wir die Hasseldell. Die kleine Schutzhütte liegt idyllisch in einem Talkessel. Der Ort ist an heißen Sommertagen angenehm kühl. Andreas Wirschak hatte sich für die vierte Station etwas Besonderes ausgedacht. Er servierte uns einen fassstarken Dark-Sherry Single Malt. Ein Glen Garioch 15 Jahre Sherry Cask Matured mit 53,7% Alkoholvolumen. Ein Whisky mit mehr als 50 Prozent Alkohol zählt zu den fassstarken Abfüllungen. Diese sind unverdünnt und meist ungefiltert mit natürlicher Farbe. Der Geschmack ist also unverfälscht. Der Malt reifte 15 Jahre in Oloroso Sherryfässern und erhielt dadurch spannende Aromen, die an sonnengereifte Orangen, süße Datteln und saftige Rosinen erinnerten. Die Farbgebung des Single Malts war durch die lange Sherryfassreifung sehr dunkel, fast rötliches Bronze, daher der Name Dark Sherry Whisky.

Ein kurzer Marsch führte uns dann zum Goldbrunnen. Mit dem Quellwasser aus dem Brunnen wollten wir den von Dirk Matzkeit aufgetischten Carn Mor 15 Jahre Limited Edition aus der Brennerei Ben Nevis verdünnen. Auf diese Kombination hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut. Der Single Malt schmeckt voll, kräftig, würzig und leicht fruchtig. Ein paar Tropfen Quellwasser ließen ihn noch fruchtiger werden. Alle Teilnehmer waren der Meinung, dass durch das dezente Verdünnen die leichte Bitterkeit des Single Malt verschwand. Das Experiment war geglückt.

Nun lag wieder eine Verpflegungsstation auf dem Weg. Dies war aber auch notwendig, denn der erhöhte Alkoholpegel musste gesenkt werden. Nach dem Snack im Heckeschissserheisel (deutsch: Wolfschluchthütte) war der Aufstieg nach Esthal angesagt. Eine Rast zur nächsten Whiskyverkostung am Schelmenteichbrunnen sollte uns diesen erleichtern. Michael Eichmann füllte uns einen Strathisla 12 Jahre in unsere Nosinggläser ein. Michael ist ein Liebhaber von Single Malts aus der Region Speyside. Diese schottische Region ist dicht mit Whisky-Brennereien besiedelt und liegt im nordöstlichen Schottland. Die Malts ähneln geschmacklich oftmals denen aus den Highland-Regionen.

Wegen den hohen Temperaturen am Samstag mussten wir leider die Station im Whisky Garden überspringen, da es sich dort um einen vollverglasten Anbau handelt. Der Weg zur letzten Whsiky Station war zum Glück recht kurz. Paul Gromek hatte uns in seinen Garten eingeladen und einen sehr leckeren Single Malt aufgetischt. Der Garten grenzt direkt an die Grotte, ein uriger Heavy-Metal- und Hardrockkeller der in Esthal schon Kult-Status erlangt hat. Wir verkosteten final einen Glenmorangie, Quinta Ruban 12 Jahre. Glenmorangie liegt in den nördlichen Highlands und besitzt die höchsten Brennblasen Schottlands. Dadurch erhält der Whisky einen besonders weichen Geschmack. Dieser Single Malt reifte zehn Jahre in Ex-Borbonfässern. Danach erfolgte eine Nachreifung (Finish) in Portweinfässern. Ein gelungener Abschluss.

Ein besonderer Tag ging zu Ende. Alle Teilnehmer hatten viel Spaß und sehr gute Single Malts probiert. Auch die Kombination von Natur in Verbindung mit dem Verkosten von guten Single Malt Whiskies kam bei allen Teilnehmern des Eschdler Whisky Trails sehr gut an. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr wieder die Gelegenheit bzw. einen gemeinsamen Termin zur Fortführung dieses Events finden.

An dieser Stelle allen Freunden des guten Geschmacks ein rauchiges „Slàinte Mhath“.

von

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