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Das Ende einer „guten Zeit“

Pfarrer Burgard verlässt die Pfarrei Hl. Johannes XXIII.

Für die meisten kam die Ankündigung vor einigen Wochen überraschend: Pfarrer Burgard verlässt die Pfarrei Hl. Johannes XXIII. und ist ab 1. September 2017 als Krankenhausseelsorger am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern und als Kooperator in der Pfarrei Kaiserslautern Maria Schutz tätig.

Pfarrer Burgard kam vor 14 Jahren, am 1. Januar 2003 in die damaligen Pfarrgemeinden Esthal, Elmstein und Speyerbrunn als Nachfolger von Pfarrer Fuhrmann. Durch seine offene und herzliche Art gewann er sehr schnell die Sympathie der Menschen.

Wenn wir auf die letzten 14 Jahre zurückblicken, was sticht hervor, was haftet in unserer Erinnerung?

Immer für die Menschen da
Die Menschen mit ihren Nöten und Sorgen standen für ihn immer im Mittelpunkt, eine Eigenschaft, die gerade in unserer heutigen Gesellschaft, in
der Ausgrenzung einen höheren Stellenwert besitzt als Integration, so gut tut. Ein „Ohr“ für jeden zu haben ist oft aber auch eine Gradwanderung zwischen „helfen“ und „übervorteilt werden“, eine Erfahrung, die keinem erspart bleibt.
Es ist schön, einem Menschen wie Pfarrer Burgard begegnet zu sein, für den der jesuanische Lebensstil, sich um andere zu kümmern, nicht um sich
selbst, so wahrhaftig ist. Er war unkonventionell und mutig Es wäre sicherlich übertrieben, wenn man behauptet, Pfarrer Burgard kenne keine Regeln, aber er hat den Freiraum der Auslegung immer dann gekonnt in Anspruch genommen, wenn es für das Wohl der Menschen angemessen war. Und das ist mutig. „Gut gemacht“.

Er hat zusammengeführt
Als Pfarrer Burgard 2003 zu uns kam, übernahm er die eigenständigen Pfarreien Elmstein, Speyerbrunn und Esthal. In seiner Amtszeit wurde die Pfarreiengemeinschaft Elmstein, Speyerbrunn, Esthal mit einem gemeinsamen Pfarrgemeinderat gegründet. Obwohl diese Entscheidung nicht unumstritten war, erwies sie sich als zukunftsweisend. Gemeinsam haben wir uns auf einen guten Weg gemacht.  Die vielen Veranstaltungen,
wie z.B. das Bruder-Konrads-Fest, das Brasilianische Fest mit Pirmin Spiegel u.v.m. hätten wir in der alten Struktur nicht stemmen können.

Pfarrer Burgard hat immer betont, er gehe in dem Vertrauen, dass „Gott uns auf unseren Wegen begleitet“.

Es sei an dieser Stelle erwähnt: der Grundgedanke der Zusammenlegung war: „Wir ergänzen uns in unseren Stärken und helfen uns bei unseren Defiziten“. Ist dies übertragbar auf unsere Pfarrei Hl. Johannes XXIII? Ein ganz klares Ja.

Ein Herz für die Kleinsten unter uns
Ein ganz besonderes Anliegen waren ihm immer die Kinder in unseren Kindertagesstätten. Egal, ob in den zahlreichen Kindergottesdiensten oder
bei den vielen Kindergartenfesten, er hat die Kleinsten unter uns immer als essentiellen Bestandteil unserer christlichen Gemeinschaft gesehen,
der es wert ist zu bewahren. Als es um die Frage ging, ob die KiTa in Esthal in die kommunale Hand übergeht, hat er sich dafür stark gemacht, die Kindertagesstätte in kirchlicher Hand zu belassen. „Lasset die Kinder zu mir kommen“ – ein Grundleitsatz von Pfarrer Burgard.

Ein Pfarrer auf Rädern
Die damalige Pfarreiengemeinschaft mit den drei Orten liegt geographisch nicht günstig. Da blieb es nicht aus, dass er häufig unterwegs war, nicht
selten unter Zeitdruck. Entsprechend war sein an die Situation angepasster Fahrstil. Wer mit ihm mitfuhr, lernte ganz schnell, welche beruhigende Wirkung Stoßgebete haben können. Doch er kam fast nie zu spät zu einer Messe oder einer Veranstaltung. Er hatte einen einfachen Trick. Seine Uhr im Auto war ca. 7 Minuten vorgestellt. So hatte er immer etwas Zeit in Reserve.

Doch zurück zur Ernsthaftigkeit: Seelsorge im Lambrechter Tal, damals in den Pfarreiengemeinschaften und heute in der noch größeren Pfarrei Hl.
Johannes XXIII., ist eine echte Herausforderung, der sich unsere Pfarrer und pastoralen Hauptamtlichen täglich stellen.

Aber nicht nur auf Rädern
Auch Pfarrer müssen entschleunigen. Eine große Leidenschaft von Pfarrer Burgard ist das Pilgern. Mit einer kleinen Gruppe aus unserer Pfarrei hat er
sich regelmäßig auf den Weg gemacht, den Jakobs Weg, bis nach Santiago de Compostela, der Höhepunkt eines jeden Pilgers. Sich auf den Weg machen, in dem Vertrauen, dass „Gott uns begleitet“.

Damit ist das „Ende einer guten Zeit „ angebrochen. Und nun macht sich Pfarrer Burgard auf einen anderen Weg, der ihn wegführt von uns, aber
wir können sicher sein, dass ihn Gott auch auf diesem Weg begleitet.

Was bedeutet das für uns, die zurückbleiben. Wir können zurückblicken, können uns an viele schöne Ereignisse erinnern: Dinge, die uns zum
Schmunzeln bringen, aber auch Geschehnisse, die uns zum Nachdenken anregen.

Das „Ende einer guten Zeit“ ist aber auch der Beginn von etwas Neuem. Das ist das Wesen von Veränderung. Der Blick zurück ist gut und wichtig, der Blick nach vorne aber noch viel wichtiger. So dürfen wir ab 1. November den neuen Kaplan Bernardaiha Addagatla aus der Diözese Guntur, Indien, begrüßen. Ich wünsche mir, dass wir auch ihn herzlich in unsere Gemeinschaft aufnehmen.

Der Dank an unseren scheidenden Pfarrer Gerhard Burgard sei schließlich auch ein Dank an Gott. Danken wir ihm für diesen Priester, Seelsorger und Ideengeber. Dafür, dass er hier in unserer Pfarrei Hl. Johannes XXIII. vorübergehend Halt gemacht hat, hoffentlich ein Stück weit Heimat gefunden hat, indem er aber auf jeden Fall mit uns gelebt und geglaubt hat. Pfarrer Burgard hat mit uns gearbeitet, uns zugehört, uns getröstet und hingeschaut, sich für uns eingesetzt und unter uns gewirkt. Dafür danken wir ihm. Seine offene und herzliche Art wird uns fehlen.

Unsere besten Wünsche begleiten Pfarrer Burgard auf seinem weiteren Lebensweg.

 

Pfarrer Burgard verabschiedet sich von allen Pfarrangehörigen im Gottesdienst am Sonntag, 27. August, um 10.30 Uhr in Esthal. Im Anschluss
an den Gottesdienst lädt er sehr herzlich zu einem Umtrunk ein. Pfarrer Burgard bittet, anstelle von ihm zugedachten Präsenten, um eine Spende für das soziale Projekt von Kaplan Anchuri.

 

 

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