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Auch Iggelbachs Gesangverein vor der Auflösung

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Das Chorsterben droht nun auch auf Elmstein überzugreifen: Am Freitag, 15. März, stehen die 74 Mitglieder des Vereinigten Männergesangvereins 1888 Iggelbach (VMGV) vor der Entscheidung, ob ihr eingetragener Verein nach 131 Jahren aufgelöst werden soll. Die wegweisende Versammlung findet im Dorfgemeinschaftshaus des höchstgelegenen Elmsteiner Ortsteils statt und beginnt um 19.30 Uhr.

Der Vorstand sieht im Grunde keine andere Möglichkeit, wie Vorsitzender Manfred Melzer mitteilt, und empfiehlt der Versammlung, den schweren Beschluss zu fassen. Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger sei mittlerweile auf 17 geschrumpft, von denen nur vier das sechzigste Lebensjahr noch nicht erreicht hätten und die älteste bereits 84 sei. Es fehle dem ehemals reinen Männerchor außerdem zunehmend an Männerstimmen, und vor allem habe Dieter König nach fast zwei Jahrzehnten seine Tätigkeit als Chorleiter beendet, wofür man bei einem 73-jährigen auch Verständnis haben müsse. Am Ort gebe es keinen geeigneten Nachfolger und die regelmäßige Anreise eines Auswärtigen lasse sich vom kleinen VMGV Iggelbach nicht finanzieren.

Gegründet wurde der Verein seinerzeit von sangesfreudigen Waldarbeitern, die „ihre Lieder von Heimat und Elternhaus, vom Wild und der Jägerei sowie von Räubern und Wilddieben“, wie es in einer Chronik heißt, nicht mehr nur auf dem Heimweg von ihrem Tagwerk schmettern wollten. Sein Name war deshalb zunächst auch Arbeiter-Gesangverein. Passend dazu stand auf der Rückseite der ersten Vereinsfahne: „Nach des Tages Müh und Last schafft das Lied stets heitre Rast“. Als Dirigent fungierte traditionell der örtliche Schullehrer. Einzige Ausnahme war der Forstwirt Erich Obeldobel, der vor 1999 über vier Jahrzehnte lang den Männer- und dann auch den gemischten Chor leitete. Dieter König musste seinen Beruf zwar unten im Hauptort ausüben, wohnt aber zumindest in Iggelbach, das längst keine eigene Schule mehr hat.

Für einen ersten Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte sorgte der Erste Weltkrieg. 1919 ging es dafür umso erfolgreicher weiter, und 1929 war die Lust am Singen in Iggelbach sogar so groß, dass zusätzlich zum Arbeiter-Gesangverein noch ein „Freier Männergesangverein“ entstand. Ihm war allerdings nur ein kurzes Leben beschieden, weil ihn die Nationalsozialisten im Rahmen der „Gleichschaltung“ schon 1933 wieder verboten. Nachdem der Zweite Weltkrieg den Singbetrieb völlig zum Erliegen gebracht hatte, gab es mit der Gründung des Vereinigten Männergesangvereins 1951 einen Neubeginn. Beim 100-jährigen Bestehen hatte dieser dann über 120 Mitglieder, von denen mehr als 50 aktiv waren. Von den derzeitigen 74 gehören rund drei Viertel dem Verein schon mehr als 25 Jahre, 20 Prozent sogar über ein halbes Jahrhundert lang an, weshalb am 15. März auch zahlreiche Ehrungen vorgesehen sind. In den letzten fünf Jahren sind nur noch zwei neue hinzugekommen.

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