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Geißbock-Festspiel 2023

Die Stadt Lambrecht und der Verkehrsverein führten am Pfingstsonntag und Pfingstmontag das Geißbock-Festspiel auf, das die über tausendjährige Geschichte der kleinen Tuchmacherstadt alle fünf Jahre wieder zum Leben erweckt.

Den 120 Mitwirkenden und den insgesamt rund 2500 Besuchern wurde traumhaftes Wetter beschert.

Das Geißbock-Festspiel wird in acht Bildern dargestellt, die nicht nur das Leben und die Schicksale der Stadt widerspiegeln, sondern auch echtes pfälzisches Brauchtum. Es zählt zweifellos zu den größten Freilichtveranstaltungen im südwestdeutschen Raum. Die Mitwirkenden erinnern dabei an das Gründungsjahr 977 mit der Klostergründung von St. Lambrecht und erzählen aus dem Leben und den Schicksalen ihrer Bewohner bis in die heutige Zeit, darunter die Geißbocklieferung der Stadt Lambrecht an die Stadt Deidesheim für Weide- und Holzrechte in deren Wald.

Die diesjährigen Festspiele standen unter der Regie von Gregor Michme. Den Epilog sprach Clara Bertram und die Zwischentexte wurden von Claus Keuchauff vorgetragen. Kinder und Jugendliche vom Fasnachtskomitee „Die Lambrechter Gäsböck“ e.V. (FKL) tanzten den Friedenstanz.

Das St. Lambrechter Geißbockspiel wurde im Jahr 1933 von Ernst Schäfer verfasst, einem Einwohner von Lambrecht. Schäfer war seit 1933 Dramaturg mit Schauspielverpflichtung am damaligen Saarpfälzischen Landestheater in Kaiserslautern. Das Spiel wurde erstmals 1934 auf einer Freilichtbühne im Beerental aufgeführt, zunächst jährlich mit Schauspielern vom Landestheater. Nach dem Krieg wurde es im Jahr 1951 fortgesetzt. Der Verkehrsverein erwarb die Aufführungsrechte von der Witwe von Ernst Schäfer, Else Schäfer. Das Stück wurde nun nicht mehr jährlich, sondern in unregelmäßigen Abständen und später im Fünf-Jahres-Rhythmus aufgeführt. Die Rollen wurden fortan mit Laiendarstellern besetzt.

Das Festspiel wurde 1952 um das Wallonenbild (4. Bild) und 1977 um den Napoleonakt (6. Bild) ergänzt, beide von Luitpold Seelmann verfasst.

 


Bild 1

Im Jahre 977 stiftet Graf Otto, Herzog von Kärnten und Rheinfranken, der Großvater von Kaiser Konrad II., zu Ehren des Heiligen Lambertus, Bischof von Maastrich, an dem Weiler „Gravenhusen“ (Grevenhausen) ein Bethaus, in welchem nach seinem Willen Benediktinermönche für alle Zeiten leben und wohnen sollten. Das reich beschenkte Kloster erlangte Wohlstand und Ansehen und wirkte wohltätig auf die Kultur des Bodens und die Bildung des Geistes. – Graf Otto von Worms kommt mit seiner Gemahlin und Gefolge angeritten, um dem Abt die Besitzurkunde zu übergeben und die Erstlingsweihe vorzunehmen.

Sprechrollen Bild 1

Abt: Markus Kern
Graf Otto: Carsten Schindler
Gräfin Judith : Elke Lorenz-Schindler
Schreiberin: Angelika Hartmann

 


Bild 2

Nach 250 Jahren sind die Mönche den ihnen von ihrem Ordensstifter auferlegten Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen, das Kloster wurde nach ihrer Vertreibung an Nonnen des Dominikanerordens übergeben, viele Töchter adliger Familien wurden in dem weithin bekannten Kloster erzogen. Adelheid, eine Klosterschülerin, bekennt der Äbtissin ihre Liebe zu Heinrich, Ritter von der Spangenberg. Sie ist todunglücklich, weil sie schon einem anderen Mann versprochen ist. Heinrich dringt bis zum Kloster vor, um seine große Liebe zu entführen, die ihm schließlich willig folgt.

Sprechrollen Bild 2

Äbtissin: Lena Liznerski
Adelheid: Johanna Bertram
Heinrich: Tobias Pfeifer
Knecht: Ulrich Seelmann

 


Bild 3

Um das Kloster hat sich im Laufe der Zeit das Dorf St. Lambrecht gebildet und mit Grevenhausen zu einem Doppelort zusammengeschlossen. Seit „urfürdenklichen Zeiten“ besitzen die Bewohner das recht, im Deidesheimer Wald ihr Vieh zu weiden, müssen aber dafür alljährlich einen Geißbock nach Deidesheim liefern. So war es durch Kaiser Ruprecht im Jahre 1404 festgelegt worden. Im Kaiserpalast zu Worms streiten sich recht deftig die Vertreter aus Deidesheim und St. Lambrecht über die Lieferung des Geißbockes. Der Kaiser muss die „Pfälzer Feuerköpfe“ zur Ressson bringen, der Vertrag der Geißbock-Lieferung wird unterzeichnet.

Sprechrollen Bild 3

Amtmann / Hofmeister: Angelika Hartmann
Bürgermeister von Deidesheim: Jens Fadenholz
Bürgermeister von Lambrecht: Arnold Merkel
Kaiser Ruprecht: Rolf Stahler

 


Bild 4

In den Jahren 1556 bis 1569 herrschen in Frankreich und Belgien Religionskriege, zahlreiche Wallonen müssen ihre Heimat verlassen. Die verfolgten Glaubensflüchtlinge treffen in Lambrecht ein, es wird ihnen in dem von den Nonnen verlassenen Kloster durch Kurfürst Friedrich III. und dem Pfalzgrafen Johann Casimir Zuflucht gewährt und ihnen Glaubensfreiheit zugestanden. Die Lambrechter Bürger sind alles andere als glücklich über die neuen Mitbewohner, weil noch bittere Not im Tal nach großer Kriegsfehde herrscht. Doch die Neubürger bringen die Kunst des Wollewebens und Tuchmachens in das Lambrechter Tal und damit auch Wohlstand und Glück.

Sprechrollen Bild 4

Bürgerin von Lambrecht: Yvette Roth
Kurfürst Friedrich: Markus Kern
Pfalzgraf Johann Casimir: Carsten Schindler
Remacle: Pfarrer Martin Groß
Amtmann: Helmut Schmitt
Pfarrer Dujon: Werner Seinsoth

 


5. Bild

Die Stürme des 30-jährigen Krieges sowie der pfälzische Erbfolgekrieg bringen Elend, Not und Verwüstung nach Lambrecht. Betrunkene und wütende Landsknechte jagen die Bevölkerung davon, erpressen Geld und sonstige Wertgegenstände von den Bewohnern des Tales, schrecken auch nicht vor Morden zurück. Krieg, Hunger und Pest wüten im Lambrechter Tal, machen aus einer blühenden Landschaft ein Trümmerfeld. Mit Schwert und Flammenband zieht der Krieg verheerend durch das deutsche Land, bringt Elend, Not und Qual, hinterlässt ein schauriges Todesgrauen, in seinem Gefolge auch Hunger und Pest.

Die Schrecken des 30-jährigen Krieges sind zu Ende, die Verkündigung des Friedens gibt den schwer geprüften Lambrechtern wieder Mut und Kraft zu neuem Schaffen, aus Trümmern und Ruinen beginnt ein neues, starkes und junges Leben zu sprießen, Friedenstauben (Luftballone) flattern in den Himmel.

 

Sprechrollen Bild 5

1. Landsknecht: Anna-Maria Norek
2. Landsknecht: Thomas Frieß
Friede: Traudel Füßer
Hauptmann: Michael Norek
Hunger: Fanny Breitwieser
Krieg: Gregor Michme
Pest: Christine Bertram
Wirt: Marius Henrich

 


6. Bild

Der Franzosenkaiser Napoleon I. und sein Minister entscheiden am 26. November 1808 im Feldlager Aranda de Duero (Spanien) über die Beschwerde von Deidesheimern dahingehend, dass St. Lambrecht den Tributbock weiter liefern muss, und zwar „un bouc bien cornu et bien capable“ (ein Bock gut gehörnt und gut gebeutelt). Die 13 Punkte umfassende Vereinbarung des Imperators vor 200 Jahren gilt in seinen Grundzügen heute noch. Doch der Geißbockfriede überdauerte Napoleon nicht lange.

Sprechrollen Bild 6

Minister: Marius Lehmann
Napoleon: Gregor Michme


7. Bild

Hier erfolgt die Übergabe des Geißbockes an den jüngsten Bürger. Der Bürgermeister kommt mit Musik und dem Geißbock, um ihn an den jüngst getrauten Bürger zu übergeben. Seine Frau Lisbeth ist alles andere als erfreut, in der Hochzeitsnacht allein gelassen zu werden. Ihr frisch angetrauter Ehemann soll sich durch den Wald nach Deidesheim begeben, um noch vor Sonnenaufgang mit dem Tributbock dort zu sein, um ihn hier dem Rat der Stadt Deidesheim zu übergeben. Die Braut, nichts von dem alten Brauchtum ahnend, lässt sich vom Bürgermeister überzeugen und sie geht zur Überraschung ihres frisch getrauten Ehemannes mit nach Deidesheim.

Sprechrollen Bild 7

Bürgermeister von Lambrecht: Gernot Kuhn
Büttel: Karl-Philipp Sauer
Jakob Kölsch: Maximilian Henrich
Lisbeth Kölsch: Maike Knoll

 


8. Bild

Wie schon des öfteren gab auch das Jahr 1851 Anlass zu einem Bockprozess zwischen Lambrecht und Deidesheim. – Der Rat der Stadt Deidesheim steht bei Sonnenaufgang alleine da, es ist noch kein Bock in Sicht, was für Unmut sorgt, die Räte berufen sich auf den Vertrag von Kaiser Ruprecht. Schließlich erscheint das junge Paar mit dem Bock auf einem Leiterwagen, was ebenfalls nicht dem Vertrag entspricht und für helle Aufregung sorgt. Den Räten ist der Bock zu klein, sie sprechen von einer „Jammergestalt“. Nach großem Gezeter um den Bock in recht derber pfälzischer Mundart wird die Bockannahme verweigert, mit entsprechender Strafe wird gedroht. Das Lambrechter Brautpaar zieht schließlich mit dem Bock wieder ab.

Sprechrolle Bild 8
Amtsschreiber Lacombe: Karl-Wilhelm Kreß
Huber: Adrian Kronen
Bürgermeister von Deidesheim: Helmut Schmitt
Dietz: Thomas Hanke
Baader: Ralf Zumbach
Kathrin Dietz: Renate Becker
Margreth Schauerer: Angelika Denig
Steinbach: Andreas Ohler
Schöffler: Hans Denig
Steinbock: Karl-Günter Müller
Weisbrod: Peter Weiß

 


 


Herold (Zwischentexte): Klaus Keuchauff

 


 


Prolog: Clara Bertram

 


 

Tanz; Kinder und Jugendliche vom Fasnachtskomitée „Die Lambrechter Gäsböck“e.V. (FKL)

 


 


Gruppenfoto aller Akteure

 

 

von

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