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Allgemein

Pfälzer Glut

Wer nachhaltig grillen möchte, kauft am besten Holzkohle aus dem Pfälzerwald oder wählt ein Produkt mit Öko-Siegel. Köhlerei in der Region noch live erlebbar.

Für viele Menschen ist der Sommer die beliebteste Jahreszeit und das Grillen ein kulinarischer Höhepunkt für die ganze Familie, auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Beim nachhaltigen Grillen geht es aber nicht nur um die Auswahl des entsprechenden Grillguts. Traditionalisten lehnen Elektro- und Gasgeräte ab und schwören stattdessen auf Holzkohle für die Glut. Wer obendrein auf Regionalität und Ökologie Wert legt, der erkundigt sich nach Glutmaterial aus dem Pfälzerwald. Bei den Köhlern in Erfweiler, in Fischbach/Hochspeyer oder in Trippstadt, dort bei der Touristinformation und im Johanniskreuzer Haus der Nachhaltigkeit, kann man Pfälzer Holzkohle in handlich verpackten Säckchen bekommen. Durch das Feiern von Festen und den Verkauf der beim Abbrand der Meiler gewonnenen Holzkohle halten die Hobby-Köhler die Erinnerung an ein ehemals sehr wichtiges und jahrhundertealtes Handwerk ihrer Region am Leben. Wer diese original Pfälzer Grillkohle nicht direkt in den Pfälzerwald-Gemeinden kaufen kann, der sollte sich aus ökologischen Gründen für Ware mit dem DIN-Prüfzeichen und einem Öko-Siegel entscheiden, empfiehlt das Haus der Nachhaltigkeit zum Auftakt der Grill-Hauptsaison.

Was ist beim Kauf von Holzkohle zu beachten?
Wer nachhaltig grillen möchte, der sollte vor allem darauf achten, woher die Ware stammt. Laut Stiftung Warentest werden jedes Jahr in Deutschland rund 250.000 Tonnen Grillkohle verbraucht. Sie werden insbesondere aus den Herkunftsländern Polen, Paraguay und der Ukraine aber zum Teil auch aus Nigeria importiert, wo Regenwälder genutzt werden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, bei Holz-Grillkohle auf die DIN-Norm (DIN EN 1860-2) zu achten. Dieses Prüfzeichen garantiert, dass die Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthält. Außerdem stellen die Siegel FSC, PEFC oder Naturland zumindest weitestgehend sicher, dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt. Außerdem ist der Blaue Engel ein verlässliches Umweltzeichen und ein guter Ratgeber bei der Kaufentscheidung.
Trägt die Ware keine Kennzeichnung, dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Tropenholz beigemischt.

Welche Arten von Grillkohle gibt es am Markt?
Die Masse des Angebots teilt sich in stückiges Brennmaterial und die gepressten Holzkohlekissen (Briketts). Stückige Holzkohle brennt schneller an, während die eierförmigen Briketts langsamer in Gang kommen, dafür aber die Glut länger und besser halten. Eine Mischung aus beiden Formen ist ideal für einen längeren Grillabend. Außerdem findet man seit einiger Zeit auch Maisspindeln zum Grillen und Grillbriketts, die aus Oliven- oder Traubenkernen und Kokosschalen hergestellt wurden. Sie sind ebenfalls umweltfreundliche Alternativen.

Die Köhlerei, ein ehemals bedeutsames Handwerk im Pfälzerwald
Der traditionelle Holzkohlemeiler ist ein halbkugelförmiges Objekt. Es besteht aus Rundhölzern und Holzscheiten, in der Regel Buche oder Eiche, die in zwei übereinanderliegenden Etagen eng geschichteten sind. Die nach außen abschließende Lage besteht aus Laub, Sand und Grassoden. In der Mitte des Meilers befindet sich ein senkrechter Schacht, der Quandel. Dort wird vom höchsten Punkt der Halbkugel abwechselnd Glut und Holzkohle eingefüllt und der Meiler damit entzündet. Der Schwelbrand breitet sich aus diesem Zentrum nach außen hin aus. In die Grassoden-Lage müssen zu unterschiedlichen Zeiten des Verfahrens und an wechselnden Stellen Löcher gestochen und wieder verschlossen werden. Hier treten die beim Verkohlungsprozess entstehenden Holzgase mit einem grünlich-grauen Rauch aus. Am Ende des kompletten Vorgangs, der je nach Größe des Meilers ein bis zwei Wochen dauern kann, wird die äußere Schlussschicht abgetragen. Nach dem vollständigen Erkalten des Meilers wird die fertige Kohle herausgerecht und in Säcke verpackt.
Moderne Holzkohleherstellung ist mit diesem traditionellen Verfahren aber nicht mehr vergleichbar. Auch hier hat die Industrialisierung Einzug gehalten. Holzkohle wird heute in großtechnischen Anlagen aber nach den gleichen alten Prinzipien hergestellt.

Ausflugstipps rund um das Thema Köhlerei und Holzkohle

In einigen Pfälzerwald-Gemeinden ist das traditionelle Köhlerhandwerk bei Festen noch live erlebbar und wer seinen Blick schult, kann auch heute noch Hinweise auf die Köhlerei im Wald finden. Hier einige Anregungen und Ausflugstipps dazu:

1. Kohlenmeilerplätze
Wer aufmerksam durch den Wald wandert, kann an nicht wenigen Stellen auffällige ebene Kreisflächen und Ovale von bis zu zehn Metern Durchmesser entdecken. Scharrt man dort das Laub beiseite, so findet man dort oft tiefschwarze Erde und kleine Holzkohlestückchen – Zeugnisse historischer Kohlenmeilerplätze.

2. Holzkohlebrennöfen
Im oberen Schwarzbachtal bei Johanniskreuz sind bis heute drei gemauerte Brennöfen erhalten, wo in den Jahren 1943/44 Holzkohle als Ersatztreibstoff für Fahrzeuge gewonnen wurde. Die Öfen können ausgehend vom Haus der Nachhaltigkeit auf dem Jakobs-Weg (Weißes Kreuz) nach vier Kilometern in südwestlicher Richtung nach Leimen bequem erreicht werden.

3. Köhler-Lehrpfad
Bei der Burg Fleckenstein, direkt hinter der deutsch-französischen Grenze bei Lembach/Elsass, hat der Verein „Les Charbonniers du Fleckenstein“ einen zweisprachigen Lehrpfad angelegt, der die Etappen des Meilerbaus und das Köhlerhandwerk erklärt.

4. Köhlerfeste
In den Pfälzerwald-Gemeinden Erfweiler, Fischbach bei Hochspeyer und Trippstadt ist das Köhlerhandwerk live erlebbar und Pfälzer Holzkohle zu kaufen. Dass die Veranstaltungen in Zeiten der aktuellen Corona-Pandemie stattfinden werden, ist eher unwahrscheinlich.

 

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